Das Wagnis der Mitte: Extrempositionen bringen uns nicht weiter

Am Wochenende protestieren Ende Gelände und Fridays for Future in der Lausitz. Zudem organsiert die LEAG ein Familienfest vor dem Kraftwerk Schwarze Pumpe. Annett Jagiela, Sprecherin des Kreisverbandes Görlitz von Bündnis90/Die Grünen, äußert sich wie folgt zur öffentlichen Diskussion:

„Die angekündigten Proteste führen wieder einmal vorrangig zum Austausch von Extrempositionen. Ich halte diese Polarisierungen in der öffentlichen Debatte nicht für zielführend. Wenn jeder und jede nur den eigenen verbalen Spaten auspackt, um den Graben noch tiefer zu graben – dann ist Niemandem hier geholfen.

Wir sollten uns nicht gegeneinander aufhetzen und ausspielen lassen, denn das hebt nicht das Verständnis für das, was jetzt gebraucht wird und wichtig ist, um die Veränderungen der nächsten Jahre zu gestalten. Oft werden Fronten eröffnet – wie: „Jung gegen Alt. Klimaschützer gegen Kohlekumpel. Ökoterroristen (SZ vom 27.11.) gegen Arbeiter.“

Wir alle brauchen gute Luft, preiswerten und verlässlichen Strom und gut bezahlte Arbeit. Ich weiß um den Wert der Arbeit der Kohlekumpels, ich weiß um den Wert einer gesunden Natur, der guten Luft und ich weiß, dass die Veränderungen der Zukunft auch für die Unternehmen anstrengend sein werden. Das alles hat seine Berechtigung und muss mit Respekt in die Debatte einfließen und im Veränderungsprozess berücksichtigt werden. Ich weiß, dass das nicht sehr sexy und aufregend klingt – aber das ist der Punkt, an dem wir gerade stehen und an dem die eigentliche Arbeit beginnt. Dazu brauchen wir uns und eins ist dabei unveränderlich klar: Gewalt ist in keinem Fall akzeptabel und beginnt bereits dort, wo ich die Eigentumsrechte meines Gegenübers missachte.

Die Debatte zwischen Lausitzer Bergleuten und Klimaaktivisten in Cottbus diese Woche hat gezeigt, dass es möglich ist, sich zuzuhören und miteinander statt gegeneinander zu reden. Wir nehmen unsere Demokratie nicht ernst, wenn wir uns immer nur Vorwürfe machen und uns gegenseitig in die Extreme schieben.

Ich wünsche uns ein friedliches Wochenende und Demut beim Anpacken der großen Veränderungen der nächsten Jahre.“

1 Kommentar

  1. Friedrich Rothe

    Sehr geehrter Annett,
    Ihre Erklärung ist schlüssig und deshalb einleuchtend. Was mir fehlt, ist die deutliche Betonung des Energieträgers Wasserstoff für die Zukunft. Der äußere Eindruck Ihrer Partei vermittelt das Bild, das Initiativen wie der „Deutsche Wasserstoff- und Brennstoffzellenverband“ in Berlin und die beiden Hybridkraftwerke bei Prenzlau und am Hauptstadtflughafen überhaupt nicht zur Kenntnis genommen werden. Dass in mehreren Regionen Deutschlands, darunter zwischen Leipzig und Grimma, ein mit Wasserstoff betriebener Personenzug gefahren ist, spielt in der öffentlichen Wahrnehmung offensichtlich kaum eine Rolle. Im Gegensatz dazu wird die Elektrifizierung von Bahnstrecken in den Fokus gerückt. Insofern stellt sich die Frage, wo die Elektroenergie für E-Loks und die dramatisch gedankenlos installierten Ladesäulen in Deutschland kommen soll, wenn gleichzeitig Großkraftwerke abgeschaltet werden. Doch hoffentlich nicht aus Frankreich (Kernenergie), Polen (Kohleenergie) oder Erdöl fragt sich besorgt
    Ihr Friedrich Rothe

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