Nach dem Unwetter: Klimaanpassung muss zur kommunalen Pflichtaufgabe werden

Das Unwetter vom gestrigen Sonntag hat in der Stadt Görlitz und Teilen des Landkreises sichtbare Schäden hinterlassen. Der Kreisverband Görlitz von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN dankt den zahlreichen Einsatzkräften, die vielerorts im Einsatz waren und die Schäden begrenzen konnten. Glücklicherweise sind nach aktuellem Stand keine Personen bei dem Unwetter zu Schaden gekommen.

Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landkreis Görlitz ist das gestrige Unwetter Anlass, den Blick auf eine Herausforderung zu richten, die unsere Kommunen in den kommenden Jahren immer stärker beschäftigen wird: die Anpassung an die Folgen der Klimakrise. 

Monique Hänel, Sprecherin des Kreisverbandes Görlitz von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, erklärt hierzu: „Uns ist bewusst, dass einzelne Unwetter kein Beweis für die Klimakrise sind – und genauso wenig widerlegt ein kühler Sommer ihre Existenz. Wetter beschreibt einzelne Ereignisse, Klima die langfristigen Veränderungen der Rahmenbedingungen, unter denen diese Ereignisse entstehen. Genau diese Rahmenbedingungen verändern sich bereits heute spürbar.

Die Frage ist längst nicht mehr, ob weitere Hitzeperioden, Trockenzeiten oder Starkregenereignisse auf uns zukommen. Die Frage ist, wie gut unsere Städte und Gemeinden darauf vorbereitet sind. Klimaanpassung darf deshalb kein Randthema sein, sondern muss bei kommunalen Entscheidungen selbstverständlich mitgedacht werden.“

Dass dieses Thema auch im Landkreis Görlitz zunehmend an Bedeutung gewinnt, zeigt ein Beschluss des Kreistages vom 17. Juni. Mit deutlicher Mehrheit wurde die Fortführung des Klimaschutzmanagements beschlossen. Ziel ist es, Energieeffizienz zu steigern, regionale Wertschöpfung zu stärken und den Landkreis langfristig krisenfester aufzustellen.

Die Folgen von Extremwetterlagen und Hitzewellen treffen nicht alle Menschen gleichermaßen. Besonders ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Vorerkrankungen oder eingeschränkter Mobilität sowie Schwangere leiden  stark unter Hitze und extremem Wetter. Klimaanpassung ist deshalb auch eine Frage der sozialen Verantwortung und der kommunalen Daseinsvorsorge.

Im Landkreis Görlitz gibt es bereits erste wichtige Ansätze. So verfolgt die Stadt Görlitz mit der Neugestaltung des oberen Elisabethplatzes Maßnahmen, die dem Prinzip der sogenannten Schwammstadt folgen: Regenwasser soll künftig besser aufgenommen und gespeichert werden können, statt ungenutzt abzufließen. Solche Projekte sind wichtige Schritte, müssen aber Teil einer umfassenderen Strategie werden. 

Carolin Renner, Co-Sprecherin des Kreisverbandes, ergänzt: „Klimaanpassung muss künftig als Querschnittsaufgabe in allen kommunalen Planungen verankert werden. Ob Straßenbau, Schul- und Kitasanierungen oder die Umgestaltung von Plätzen – Fragen von Verschattung, Entsiegelung, Regenwassermanagement und Hitzeschutz müssen von Beginn an berücksichtigt werden.

Dabei geht es bei weitem nicht nur um die Klimaanpassung in den Städten. Gerade im ländlichen Raum werden viele Herausforderungen bislang zu wenig beachtet: aufgeheizte Dorfplätze, fehlende Beschattung an Bushaltestellen, trockengestresste Grünflächen oder der notwendige Wasserrückhalt in der Landschaft.“

Die Fraktion Bündnisgrüne/KJiK/SPD im Görlitzer Kreistag mahnte in der Kreistagssitzung vom 17.6.2026 die Entwicklung einer solchen Strategie für den Landkreis bereits an.

Ein wichtiger Schritt war außerdem die Einführung der sogenannten Klimamillion durch die bündnisgrüne Regierungsbeteiligung in Sachsen. Sie ermöglicht es Kommunen, gezielt in Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen zu investieren und notwendige Projekte vor Ort umzusetzen.

Anja-Christina Carstensen, Co-Sprecherin des Stadtverbandes Görlitz, hierzu: „Die Anstrengungen, die wir nicht rechtzeitig investiert haben, um den Klimawandel zu verlangsamen, müssen wir nun in die Vorbereitung auf  Extremwetterlagen stecken. Wir müssen für Resilienz im Umgang mit Wetterextremen sorgen. Da geht es ebenso um Nachwuchssicherung im Katastrophenschutz, wie bei den Feuerwehren und dem THW. Katastrophenschutz darf nicht an klammen Kassen scheitern.“

Der Kreisverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sieht in der Vorsorge für mögliche Katastrophen nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Jeder Euro, der heute in Vorsorge investiert wird, kann morgen ein Vielfaches an Reparatur- und Folgekosten vermeiden. Jedes Todesopfer einer Hitzewelle ist eines zu viel.

Die Schäden des vergangenen Unwetters machen deutlich: Klimaanpassung ist keine Zukunftsaufgabe mehr. Sie gehört ins Zentrum kommunaler Planung – auch und gerade im Landkreis Görlitz.

(Quelle: Kreisverband Görlitz und Stadtverband Görlitz, 22.6.2026)

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